Portugal in der jüngsten Geschichte
Seit Mitte der 1970er Jahre herrschen in Portugal stabile politische Verhältnisse. Portugal ist eine parlamentarische Republik wie sie in Europa verbreitet ist. Nach der Nelkenrevolution konnte 1979 eine politische Gruppierung die Wahlen gewinnen, die im politischen Spektrum rechts von der Mitte einzuordnen ist. Mit den Sozialisten in der Opposition einigte sich dieses konservative Regierung auf einige Verfassungsänderungen. Sozialistische Elemente, die nach der Revolution noch in der Verfassung verblieben waren, wurden entfernt. Als wichtigstes Element dieser Verfassungsänderungen ersetzte ein Verfassungsgericht nach westeuropäischem Vorbild den Revolutionsrat. Im Jahre 1985 wurde Aníbal Silva zum Premierminister gewählt. Seiner konservativen „Partido Social Democrata“ gelang ein Erdrutschsieg bei den Wahlen 1987. Bei diesem Wahlsieg konnte eine portugiesische Partei zum ersten Mal die absolute Mehrheit im Parlament erringen. Der Wahlsieger Cavaco Silva blieb bis 1995 Ministerpräsident. Er machte die Verstaatlichungen rückgängig, die zur Zeit der Nelkenrevolution vorgenommen worden waren. Zwischen 1995 und 2002 regierte wieder die Sozialistische Partei um António Guterres Portugal.
Bei den Parlamentswahlen des Jahres 2002 verschoben sich die Mehrheiten erneut komplett mit eim Rechtsrutsch als Folge. Die konservative PSD mit Spitzenkandidat José Manuel Barroso erreichte eine relative Mehrheit von 40,1 Prozent. Einige Prozent weniger erreichte die sozialistische Partido Socialista, abgeschlagen die rechtskonservative Volkspartei CDS-PP. Mit den Rechtskonservativen bildete Barroso eine Regierungskoalition. Paulo Portas, der populistische Vorsitzende des CDS-PP, wurde Verteidigungsminister. Zudem gingen die Bereiche Arbeit und Soziales sowie Justiz an das CDS-PP. Den Präsidenten des Landes stellten jedoch die Sozialisten ohne Unterbrechung, da der Sozialist Jorge Sampaio 1996 Nachfolger von Soares wurde.
Im Juli des Jahres 2004 nominierte der Europäische Rat Jose Barroso zum Nachfolger von Romano Prodi als Präsident der Europäischen Kommission in Brüssel. Sein Nachfolger im Amt des Ministerpräsidenten wurde Pedro Santana Lopes. Der konnte nur kurz regieren, da Präsident Sampaio schon bald das Parlament auflöste. Bei Neuwahlen im Februar 2005 errang die Partido Socialista, die sozialistische Partei Portugals, erstmals die absolute Mehrheit. Deren Spitzenkandidat, José Sócrates, regiert seit dem 12. März 2005 als Ministerpräsident.
2006 wählten circa 8,9 Millionen wahlberechtigte Portugiesen einen neuen Präsidenten. Der bisherige Präsident Jorge Sampaio konnte nicht mehr gewählt werden. Mitte-Rechts-Kandidat Aníbal Cavaco Silva (PSD) setzte sich schon im ersten Wahlgang durch. Der frühere Regierungschef erhielt gegen fünf Kandidaten aus dem linken Spektrum mit 50,6 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit. Ein Bündnis der Parteien PSD und CDS-PP unterstützte Silva.